Warum Permakultur im eigenen Garten?

Geht es um den eigenen Garten, denken die Menschen zuerst an ökologischen Anbau, haben aber meist noch nie von Permakultur gehört.
Öko-Anbau ist ein guter Grundsatz, orientiert sich aber immer noch in vielen Aspekten an den Techniken der konventionellen Landwirtschaft. Im Gegensatz dazu, orientiert man sich bei Permakultur an dem wohl erfahrensten Vorbild – der Natur.

Die Techniken und Systeme, die man sich hier abgeschaut hat, lassen sich nicht nur im großen Maßstab anwenden, sondern eignen sich hervorragend für den eigenen Garten.
So kann dieser zum Füllhorn gesunder Lebensmittel werden, die mit sehr viel weniger Aufwand angebaut werden können, als die meisten Menschen glauben.

 

Wir müssen die Natur nicht als unseren Feind betrachten, den es zu beherrschen und überwinden gilt, sondern wieder lernen, mit der Natur zu kooperieren. Sie hat eine viereinhalb Milliarden lange Erfahrung. Unsere ist wesentlich kürzer!

– Hans-Peter Dürr 

Wenn der Mensch nicht eingreift und keine großen Katastrophen das Ökosystem beeinträchtigen, würde sich ein natürliches System auf unbestimmte Zeit selbst erhalten.
Obwohl in jedem Frühjahr die Pflanzen von neuem aus dem Boden sprießen, ihre Blüten und später ihre Früchte bilden und im Winter wieder absterben, Jahr für Jahr, nimmt die Bodenfruchtbarkeit nicht ab.
Mit der Zeit baut sich sogar mehr und mehr Humus auf. Das ist die wichtigste, denn fruchtbarste Erdschicht. Darin tobt das wahre Leben!
Unzählige Makro- und Mikro-Organismen tummeln sich in dieser Schicht dunkler, krümeliger Erde, welche ganz besonders gut Wasser und Nährstoffe speichern kann. Die Lebewesen verarbeiten organisches Material zu neuen Nährstoffen und fördern enorm die Gesundheit der Pflanzen.
In einem gesunden Boden existiert ein ganz eigenes Universum, welches aber nicht von uns abgegrenzt ist. Unsere Gesundheit hängt auch von der Gesundheit der winzigen Wesen in der Erde ab. Denn nur in einem gesunden Boden, können auch wirklich gesunde und nährstoffreiche Pflanzen wachsen. Und nur so können wir uns wirklich reichhaltig und ausgewogen ernähren.

Wie adaptiert man also die Genialität der Natur im eigenen Beet?

Ein wichtiger Punkt ist, dass die Natur nichts verschwendet. Was verwelkt und abgestorben ist, wird nicht von Geisterhand „aufgeräumt“, sondern fällt zu Boden und bleibt dort liegen. So sammelt sich mit der Zeit jede Menge organisches Material auf der Erde. Dies bildet nach und nach eine schützende Schicht, die wir Mulch nennen. Am einfachsten zu beobachten ist dies in einem Laubwald! Abseits der Wege gibt es immer einen weichen Teppich aus Blättern, Rinde, Zweigen und vielem mehr. Das schützt den Boden vor Erosion durch Wind und Wetter und hält das Wasser im Boden, da dieser immer kühl und schattig bleibt. Die Organismen in der Erde freuen sich wiederum über eine ständig vorhandene Nahrungsquelle und verarbeiten den Mulch langsam zu Nährstoffen für die Pflanzen. Diese wachsen, sterben ab, werden zu Mulch, der wird gefressen und zu Nahrung für neue Pflanzen. Ein ewiger Kreislauf, der sich ganz leicht im eigenen Garten etablieren lässt. Wenn du das nächste Mal deinen Rasen mähst (wenn du sowas tatsächlich noch tust…), dann verteile den Rasenschnitt als Mulch auf deinen Beeten. Wenn du im Herbst das Laub sammelst (wenn du sowas wirklich noch tust…), dann verwende auch das als Mulch. Wenn du dein Gemüse abgeerntet hast und die Pflanzenreste aus dem Beet holst, dann zerkleinere diese und verwende sie als Mulch.

Was gehört noch dazu?

Das Thema Permakultur ist groß und kann komplex sein. Aber für den eigenen Garten kann man simpel denken. Mulchen ist ein guter Anfang und spart Wasser und Unkraut-Jäten! Was für Viele komisch klingen mag, aber auch wichtig ist – der Boden wird nicht umgegraben. Wenn du an einer Stelle zum allerersten Mal ein Beet anlegst, dann empfiehlt sich eine einmalige Vorbereitung nach der Double-Digging-Methode. Danach war es das aber mit großem Gewühle, denn das schadet tatsächlich dem Bodenleben! Ein gut gemulchtes Beet bleibt ohnehin locker und im Zweifelsfall reicht das Einstechen und Rütteln mit einer Grabforke. Kein Umgraben – das heißt, wieder eine lästige Arbeit weniger.

Beete nicht in Monokulturen, sondern Mischkulturen zu bepflanzen, ist ein weiterer Schritt. Ein diverses Ökosystem ist sehr viel widerstandsfähiger und laugt den Boden nicht einseitig aus.
In der Permakultur versucht man auch einem Element mehrere Funktionen zuzuweisen. Eine Tomate pflanzt du natürlich primär wegen der Frucht, aber sie kann deinem Salat auch kühlenden Schatten spenden, damit er im Sommer nicht so leicht schießt. Die Blätter, die man ständig zurückschneidet, sind bestes Material für den Mulch. Bohnen habe ich auch schon an starken Tomatenpflanzen hochranken lassen.

Der Salat ist nicht nur ein Blattgemüse, sondern auch ein guter Bodendecker. Richtig platziert, füllt er so die Lücken im Beet und verhindert, dass der Boden ungeschützt bleibt. Essbare Blumen landen nicht nur auf dem Teller, sondern locken auch Bestäuber an und oft können sie auch Nachbar-Pflanzen vor Krankheiten oder Schädlingen schützen.

Man sollte auch dreidimensionaler denken: wenn ich eine hohe Pflanze im Beet habe, passt darunter noch eine mittelhohe und darunter etwas, das flach am Boden wächst und selbst darunter könnte sich noch Wurzelgemüse befinden.

Viele Techniken haben den angenehmen Nebeneffekt, dass Arbeitsschritte wegfallen, oder kaum noch nötig sind. Dennoch gedeihen die Pflanzen wunderbar und jede Saison baut sich mehr und mehr Humus auf, was für immer bessere Ernten sorgen wird

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